…, dass Hunde häufig Beschwichtigungssignale zeigen?

Als Beschwichtigungssignale (oder Calming Signals) werden weitgehend körpersprachliche Äusserungen des Hundes bezeichnet, die den Zweck haben, Konflikte zu entschärfen oder zu vermeiden. Kennst du sie? Weisst du, warum du sie unbedingt kennen solltest?

Beispiele für Beschwichtigungssignale:

  • aus dem Welpenverhalten: Pfote heben, über die Lefzen lecken/ „Züngeln“ (Licking Intention), Urinieren, Vorderkörper tief (Rute niedrig, wenig Bewegung)
  • als Antithese zum Drohverhalten: Blick/ Kopf/ Körper abwenden, Blinzeln, Blick verkürzen, langsame Bewegungen, Bogen gehen, Hinsetzen, Hinlegen, Erstarren/ Einfrieren
  • aus einem anderen Funktionskreis: sich kratzen, schütteln oder wälzen, markieren, lächeln, gähnen

Beschwichtigungssignale müssen immer im Kontext betrachtet werden. Alle Verhaltensweisen werden auch in anderen Situationen gezeigt.

Beschwichtigungssignale sind sehr individuell. Wenn du deinen eigenen Hund gut beobachtest, wirst du feststellen, welche dein Hund bevorzugt zeigt. Licking Intention allerdings wird von (fast) jedem Hund relativ häufig gezeigt, teilweise sogar gleichzeitig zu Drohverhalten.

Zweck der Beschwichtigungssignale:

  • Sie signalisieren a priori das Fehlen sozialer Ansprüche.
  • Sie unterbinden/ vermindern/ beenden agonistische Tendenzen (Tendenzen zu Konflikt-/ Konkurrenzverhalten) des Bindungspartners/ Sozialpartners.
  • Sie sichern und stärken langfristig soziale Bindungen.

Warum ist es wichtig, diese Signale zu erkennen?

  • Du kannst deinen Hund besser verstehen und auf seine Bedürfnisse reagieren.
  • Du kannst dein Verhalten reflektieren. Wie wirktst du auf deinen Hund?
  • Du kannst Hundebegegnungen besser lesen und Konflikte rechtzeitig erkennen.

Praxisbeispiel:

  • Du bist mit deinem Hund in der Hundeschule und hast Angst davor, dich zu blamieren. Dein Hund spürt (sieht und riecht) bei dir Stress und Angst, deine Stimme ist schärfer, deine Körperhaltung angespannt… Nun beginnt dein Hund dich zu beschwichtigen: Er geht langsamer und kommt auch beim Abrufen nur langsam und in einem grossen Bogen zu dir. Du denkst, dass er dich ärgern will und wirst wütend. Dein Hund setzt sich jetzt nur noch hin und kratzt sich…. Ein Teufelskreis beginnt.
  • Wenn du in dieser Situation die Signale deines Hundes verstehst, kannst du zunächst deine eigene Ausstrahlung reflektieren und an deiner Einstellung arbeiten. Das Verhalten deines Hundes macht dich nicht wütend, weil du verstehst, was er dir sagen will, und der Teufelskreis beginnt gar nicht erst.