…, dass das Training über Strafe ziemlich riskant ist?

Oft ist es so verführerisch einfach! Der Hund zeigt ein unerwünschtes Verhalten, ich bestrafe ihn, und schon lässt er das Verhalten!

Aber ist das wirklich langfristig sinnvoll? Wissenschaftlich ist das längst geklärt: Hunde, die über die Angst vor Strafe ausgebildet wurden, zeigen deutlich häufiger eine Aggressionsproblematik. Langfristig erfolgreiche Ausbildung funktioniert nur über das Arbeiten mit Belohnung, wobei die auf keinen Fall immer essbar sein muss, aber das ist ein eigenes Thema.

An einem typischen Beispiel soll die Problematik einmal verdeutlicht werden:

Dein Hund randaliert an der Leine, weil er sich andere Hunde vom Leibe halten will. Eigentlich hat er Angst, aber das merkst du nicht. Es ist auch kaum mehr zu bemerken, denn über die Zeit hat er gelernt, dass Angriff die beste Verteidigung ist. Aus der Situation fliehen kann er nicht, du zwingst ihn hinein, die Leine hält ihn fest, und nun?

Du gehst in die Hundeschule, und dort rät man dir, eine Kette neben deinen Hund zu werfen, wenn er an der Leine randaliert.

Das ist eine Strafe, dem Hund wird etwas Unangenehmes zugefügt, nämlich Schreck und Angst. Und ja, die meisten Hunde stellen ihr Verhalten ziemlich schnell ein, aus Angst vor der Strafe. Wenn die Angst vor der Kette grösser ist als die Angst vor den anderen Hunden, funktioniert die Methode.

Aber nett ist das nicht, fair auch nicht, und auch ganz sicher nicht förderlich für das Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Hund. Der Hund wird mit seiner Angst alleine gelassen. Je nach Charakter führt das zu unglücklichen, eingeschüchterten Hunden mit einer erlernten Hilflosigkeit oder zu frustrierten Hunden mit zunehmender Neigung zu inadäquatem, oft auch umgeleitetem (also gegen andere Individuen als die beteiligten gerichtetem) Aggressionsverhalten.

Lässt die Angst vor der geworfenen Kette nach und wird somit kleiner als die Angst vor dem anderen Hund, kommt es schnell zu einer ungewollten Eskalation: Die Strafe wird erhöht, beispielsweise durch ein Werfen der Kette auf den Hund, und die Gewaltspirale nimmt im tierschutzwidrigen Bereich ihren Verlauf. Für andere Hunde wiederum ist jede Art von Strafe noch eine Belohnung, bekommen sie doch so wenigstens einmal die Aufmerksamkeit ihres Menschen.

Unter dem Einfluss von Angst und Stress findet kein kreatives oder komplexes Lernen statt. Der Hund hat gar nicht die Möglichkeit, alternative Strategien zu entwickeln. Falsche Verknüpfungen allerdings entstehen schnell. Der andere Hunde wird noch mehr zu etwas Gefährlichem und Unangenehmen, schliesslich fliegt einem ja in dessen Gegenwart auch noch eine Kette um die Ohren.

Manchmal muss man Verhalten korrigieren, ja, aber dann muss man es fair tun. Alles andere ist eigentlich ein Armutszeugnis für uns als Hundeführer. Und man muss es liebevoll und aus einem Verständnis für die dem Verhalten zugrundeliegende Motivation des Hundes tun. Niemals darf Angst über Angst „therapiert“werden.

Über ein positiv aufgebautes Korrekturwort, bei dem der Hund gelernt hat, dass er nicht in der Frustration bleiben muss, sondern uns ein Alternativverhalten anbieten kann, über ein sinnvoll und in Ruhe geübtes Alternativverhalten, ein gutes Management, eine Reflektion der eigenen Stimmungsübertragung, über Um- und Gegenkonditionierung und behutsame Desensibilisierung und Rücksichtnahme auf die Verfassung des Hundes lässt sich Problemverhalten langfristig und risikolos in den Griff bekommen.

Das Schöne daran ist, dass auf diese Weise das Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Hund noch gestärkt wird. Ja, das ist der lange und mühsame Weg, aber er lohnt sich!