…, was Tierschutzhunde besonders gut können?

Kommunikation unter Hunden:

Ich liebe das wunderbare, vielfältige und fein differenzierte Kommunikationsverhalten von Hunden, die unter Hunden aufgewachsen sind!

Heute morgen begann der dritte Tag in Deutschland für unsere Pflegehündin Briciola aus dem italienischen Tierschutz:

Als sie Schlappi sah, wedelte zum ersten Mal ihr Stummelschwänzchen! Dann näherte sie sich ihm und drückte dabei unmissverständlich aus, dass sie in freundlicher Absicht komme, keine sozial expansiven Ansprüche habe und eine friedliche Distanzverringerung wünsche. Wir bräuchten für so eine komplexe Botschaft viele Worte, Hunde zeigen das körpersprachlich (und wahrscheinlich auch olfaktorisch, aber das entzieht sich unserer Wahrnehmung).

Schaut man sich die Beschreibung von aktivem Demutsverhalten (,denn genau das zeigte Briciola,) der führenden deutschen Ethologin im Bereich der Caniden Dorit Urd Feddersen – Petersen an, so zeigte die Hündin diese heute morgen fast vollständig:

  1. Kopf: leicht um die eigene Achse zur Seite gedreht, seitwärts, teilweise von unten gegen Schlappis Schnauze
  2. Schnauze: Licking intention, von unten gegen Schlappis Schnauze
  3. Lippen: lange Maulspalte, Zähne bedeckt
  4. Ohren: seitwärts angelegt
  5. Stirn: hohe, glatte Stirn
  6. Augen: schmal, schlitzförmig
  7. Blickkontakt: teilweise zu Schlappi, teilweise zur Seite (eher passive Demut, Calming Signals)
  8. Vorderkörper tief, ähnlich der Spielstellung, danach Seitenlage (eher passive Demut, Calming Signals)
  9. Extremitäten: gebeugt, Pföteln!
  10. Rute: eingezogen, zaghaftes Wedeln

Schlappi reagierte sofort mit Ablecken ihrer Schnauze und Ohren, Fellwittern, Fiepsen und Winseln. Auch Lina gesellte sich dazu und begann, Briciola die Ohren auszuschlecken. Danach lagen sie alle eng beieinander. Als Schlappi aufstand, liefen alle zusammen los. Auch Kontaktliegen und Kontaktlaufen ist soziopositives Verhalten und dient der Aufrechterhaltung eines guten Gruppenklimas.

Sozialisierung in Bezug auf die „Hündische Gesellschaft“:

Sozialisierung ist definiert als die Anpassung an gesellschaftliche Denk- und Gefühlsmuster durch Internalisierung von sozialen Normen und Werten oder als die Gesamtheit der durch die Gesellschaft vermittelten Lernprozesse, durch die das Individuum in der Gesellschaft sozial handlungsfähig wird. Kurz ausgedrückt ist es die Eingliederung in einen Sozialverband durch das Lernen von sozial verträglichem Verhalten. Sozialisierung bezieht sich auf Wissen, Emotionen, Bewertungen und Handlungen. Und ganz wichtig: Sozialisierung bezieht sich immer auf einen bestimmten sozialen Kontext, auf eine bestimmte Gesellschaft. Damit wird klar: DEN sozialisierten Hund (oder Menschen) gibt es nicht!

So schlecht Tierschutz- und Tierheimhunde, die in Hundegruppen gelebt haben, oft in Bezug auf die menschliche Gesellschaft ihres Heimatlandes und vor allem in Bezug auf unsere deutsche Gesellschaft sozialisiert sind: Die Sozialisierung in Bezug auf die „Hündische Gesellschaft“ ist perfekt, „Hündische Normen und Werte“ sind verinnerlicht, die Kommunikation funktioniert ausgezeichnet, sie wissen, „wie man sich unter Hunden benimmt“!

Wer mehrere Hunde aus dem Tierschutz in seiner Familie hat, braucht keinen Fernseher mehr: Die Hunde in ihrem Umgang miteinander, ihre Kommunikation im soziopostiven und im agonistischen Bereich zu beobachten, ist spannender und lehrreicher als jeder Film!