…, was wir von unseren Hunden lernen können? (Teil 1)

Heute morgen beim „Gruppenkuscheln“: Briciola kuschelt ihren Kopf immer tiefer unter Schlappis Bauch. Irgendwann knurrt er kurz und beisst ihr dann (nahezu kontaktlos) über die Schnauze. Das ist ein typisches Korrekturverhalten unter Hunden, das man besonders häufig im Kontext „Erziehung im Rudel“ sieht. Briciola rollt sich sofort komplett auf den Rücken und wendet den Blick von Schlappi ab. Der steht nicht einmal auf, während Lina nun zu Briciola geht und ihr Fell beschnuppert. Kurz darauf liegen sie wieder alle drei eng beieinander.

Was war passiert?

Schlappi hatte sich offensichtlich zu sehr bedrängt gefühlt und machte diese Grenzüberschreitung durch ein sofortiges, kurzes und in der Intensität angemessenes Aggressionsverhalten deutlich. Briciola zeigte passive Demut in ihrer klassischen Form. Passives Demutsverhalten wird selten spontan gezeigt, sondern ist gewöhnlich die Reaktion auf ein agonistisches Verhalten des Kommunikationspartners. Im Gegensatz zur aktiven Demut wird hier keine freundliche Distanzverringerung gewünscht, sondern das Ziel ist die Beendigung des agonistischen Verhaltens des Gegenübers. Während Schlappi völlig entspannt liegen blieb, übernahm Lina die Aufgabe der Reintegration. Durch Fellwittern, ein eindeutig soziopositives Verhalten, sorgte sie wieder für ein harmonisches Klima in der Gruppe und festigte nebenbei den sozialen Zusammenhalt. Damit war der Vorfall für alle drei Hunde komplett abgearbeitet und erledigt.

Was wir daraus lernen können?

Konflikte sind auch im menschlichen Zusammenleben normal. Aber wie oft werden sie lange anhaltend und nachtragend ausgetragen? Dabei wäre es doch so einfach: Der, dessen Grenze überschritten worden ist, formuliert dies kurz, eindeutig, authentisch und in angemessener Intensität. Der Kommunikationspartner entschuldigt sich und versichert, diese Grenze in Zukunft zu respektieren. Danach wird die Harmonie in der Gruppe durch liebevolle Gesten und Worte sofort wiederhergestellt.

Wie viele Deutsche haben wohl Weihnachten in der Kirche gebetet: „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ ?