Abenteuer Pflegehund Tag 9

Heute waren wir wieder beim Bouldern am Fels. Briciola ist dort völlig entspannt und schlummert auf ihrer Thinsulatematte unter zwei Mänteln.

Zuhause lag der Schwerpunkt heute auf dem Training für den im Januar anstehenden Tierarztbesuch (Medical Training). In kleinen Schritten üben wir das schon seit Tag 1. Da ein solches Training besonders für ängstliche Hunde eigentlich Pflicht sein sollte, gibt es hier eine kurze Beschreibung unseres heutigen Programms:

1.Tragen/ Anheben

In kleinen Schritten trainieren wir das Anfassen, Umarmen, Anheben und Tragen des Hundes, damit dies ohne Panik abläuft, wenn der Hund beim Tierarzt auf den Tisch gehoben werden muss.

2. Stehen und Sitzen auf einer Liege/ einem Tisch:

Sitz- und Stehtraining findet hier nur über Futterlocken ohne verbales oder körperliches Signal statt. Das Einüben der Position auf der Liege hat drei Gründe: Es findet eine Gewöhnung an den erhöhten Platz statt, der Hund erfährt an diesem Platz ein Gefühl der Eigenkontrolle und die Positionen können beim Tierarzt genutzt werden.

3. Maulkorbtraining als Beißschutz oder Kinntarget:

Auch das Maulkorbtraining findet bewusst auf der Liege statt. Normalerweise trainiere ich den Maulkorb über den Clicker und Shapen (Formen). Bei Briciola habe ich mich für das Training über Futterlocken entschieden. Heute besteht das Training nur aus dem Fressen von Wurststückchen aus dem Maulkorb. Wichtig ist es zu Beginn des Trainings einer neuen Übung, immer mit einer besonders hochwertigen Belohnung zu arbeiten.

Warum entschied ich mich gegen Shapen? Der Clicker ist noch nicht sicher konditioniert und Briciola fehlt noch die Frustrationstoleranz und das Selbstbewusstsein, sich Dinge selber zu erarbeiten. Bis zum Impftermin bleiben uns nur zwei Wochen und ich möchte den Maulkorb dann zumindest als Kinntarget verwenden können.

4. Zähne anschauen

Das Anschauen der Zähne ist nicht nur als Vorbereitung auf den Tierarztbesuch sinnvoll. Bei Briciola entdeckte ich einen dramatischen Zahnstein und wir werden wohl morgen mit der behutsamen Gewöhnung an die Zahnbürste beginnen!

Warum machen wir Medical Training?

Ich möchte meine Hunde nicht „vergewaltigen“. Deswegen möchte ich ihnen die Möglichkeit geben, mit so viel Eigenkontrolle wie möglich stressige Situationen wie einen Tierarztbesuch durchzustehen und diese Situationen so wenig wie möglich als negativ zu empfinden.

Ihr wollt wissen, wie sich der Alltag mit Brici entwickelt?

Die Abläufe, die sie kennt, funktionieren immer besser: Sie läuft problemlos mit in den Garten und zurück und scheut auch nicht mehr, wenn sie dabei eng an uns vorbei laufen muss. Gassigehen funktioniert super, ihr Geschäft erledigt sie aber konsequent nur im Garten, dort aber immer schnell und problemlos. Das Selbstbewusstsein steigt, Brici fängt immer mehr an, ihren Charakter zu zeigen: Frech, pfiffig, stur und sozial – einfach typisch Bracke!

Gestern abend alberten wir ein wenig herum. Brici kam ganz besorgt zu mir und schaute, ob es mir denn auch gut ginge. Heute ging ich vor dem Losfahren noch einmal kurz zurück ins Haus. Als ich auf der Treppe vom Keller hinauf kam, war sie mir aus dem Garten ins Haus gefolgt und schaute, wo ich blieb. Sie entwickelt sich zu einem sympathisch sozial motivierten Hund.

Heute abend fing sie an, Rainers Nachttisch abzuräumen. Als er es ihr verbot, hörte sie sofort auf, wartete, bis er nicht mehr zu sehen war, und machte dann weiter. Dieses Spiel spielten die beiden dann ein paar Mal, bis Rainer aufgab und seinen Kram wegräumte. Diese Beharrlichkeit, Pfiffigkeit und Frechheit ist so typisch für Bracken.

Es ist wunderschön zu sehen, wie langsam die Maske der Angst verschwindet und darunter eine liebenswerte Hündin zu Tage tritt! Auch wenn es bestimmt noch sehr viel Arbeit bedeutet, Briciola die Welt zu zeigen und ihr die Angst vor selbiger zu nehmen, glaube ich, dass sie sich zu einem selbstbewussten Hund entwickeln kann. Wichtig ist es, sie immer wieder behutsam mit neuen Herausforderungen zu konfrontieren, um so ihre Komfortzone zu erweitern. Ich glaube, dass Briciola in dem Moment, in dem man aufhört, sie auf diese Weise herauszufordern, wieder Schritt für Schritt in ihre alten Verhaltensmuster zurück fallen und sich mehr und mehr verkriechen wird. So geht es weiter.