…, was eine Begleithundeprüfung ist? (eine nicht ganz unkritische Betrachtung)

Eigentlich gibt es sie gar nicht, DIE Begleithundeprüfung! Unter anderem der IRJGV bietet sie an und auch die Jägervereinigungen. Die bekannteste ist jedoch wahrscheinlich die Begleithundeprüfung des VDH, da dies der zahlenmässig grösste Verband ist, und die Begleithundeprüfung dort auch die Voraussetzung für den Start in einigen Hundesportarten ist.

Im Folgenden werde ich euch beschreiben, welche Anforderungen bei dieser Prüfung im VDH an Mensch und Hund gestellt werden, in wie weit ich sie sinnvoll oder reformbedürftig finde und wofür man sie braucht.

Ursprünglich hing die Begleithundeprüfung (abgekürzt: BH) eng mit dem Schutzhundesport bzw. der darin beinhalteten „Unterordnung“ zusammen und dies spiegelt sich auch immer noch in den gestellten Aufgaben wieder, obwohl 2019 eine neue Prüfungsordnung verabschiedet wurde.

Grundsätzlich darf jeder Hund, der mindestens 15 Monate alt ist, an dieser Prüfung teilnehmen. Der Hundeführer/ Hundehalter muss allerdings Mitglied in einem Verein/ Verband sein, der dem VDH angehört und der Hund muss über eine Leistungsurkunde verfügen (wird beim Verein beantragt und vom Verband ausgestellt), gechipt oder tätowiert sein und über eine gültige Tollwutimpfung und Hundehaftpflichtversicherung verfügen. Ausserdem benötigt der Hundeführer einen Sachkundenachweis (Multiple Choice Test), der in der Regel unmittelbar vor der ersten Prüfung einmalig abgelegt wird. Die Antworten zu den Fragen sollte man allerdings auswendig lernen, da die als „richtig“ geforderten Antworten zum Teil leider sachlich „falsch“ sind.

Bevor die Prüfung richtig losgeht, wird jeder Hund einzeln dem Leistungsrichter vorgestellt, der den Chip bzw. die Tätowierung und damit die Identität des Hundes überprüft und gleichzeitig dessen Unbefangenheit gegenüber einem fremden Menschen testet.

Danach folgt dann der traditionell als „Unterordnung“ bezeichnete Teil, der eigentlich aber eine einstudierte Choreographie ist. Hundeführer und Hund absolvieren ein vorgegebenes Laufschema zunächst mit Leine (Leinenführigkeit) und dann ohne (Freifolge), wobei der Hund sich in der sogenannten „Fuss“-Position befinden soll. Das heisst, mit seiner rechten Schulter auf Höhe des linken Beines des Hundeführers zu laufen. Dabei dauert die Leinenführigkeit deutlich länger als die Freifolge, beinhaltet Kehrtwendungen und Bögen, zweimal Anhalten, Geschwindigkeitswechsel und ein Durchlaufen einer Gruppe. In der Freifolge werden nur eine 50 Schritte lange Strecke, eine Kehrtwendung und auf dem Rückweg dann die Geschwindigkeitswechsel verlangt. Anschliessend ist eine Sitzübung mit Entfernen vom und Rückkehr zum Hund und anschliessend eine Platzübung mit Abrufen zu zeigen.

Während das eine Mensch-Hund-Team alle diese Übungen zeigt, muss ein zweites Team die sogenannte „Ablage“ zeigen: Der Hund muss (ca. 5 Minuten) im „Platz“ liegen bleiben, während sein Hundeführer 30 Schritte entfernt mit dem Rücken zum Hund wartet. Hat das erste Team seine Aufgaben absolviert, wird getauscht: Das erste Team zeigt nun die Ablage, während das zweite Team die oben beschriebenen Aufgaben zeigt.

„Unhündisch“ an dieser Prüfung ist, dass der Hund nur über verbale Signale geführt werden darf. Jede Art der Körpersprache wird als „Hilfe“ gewertet und führt zu Punktabzügen. Das Signal „Fuss“ ist nur beim Angehen und bei Positions- und Geschwindigkeitswechseln erlaubt. Die Befehl „Sitz“, „Platz“ und „Hier“ müssen ebenfalls beim ersten Mal befolgt werden. Während der gesamten Zeit, in der die Aufgaben und die Ablage absolviert werden, darf der Hund nur maximal fünf Mal verbal gelobt und gestreichelt werden – jeweils am Ende einer Übung. Das Mitführen oder Verwenden von Futter oder Spielzeug führt zur Disqualifikation.

Verglichen mit „modernen“ Hundesportarten wie Rally Obedience, mutet es antiquiert an, dass der Hund nicht durchgehend körpersprachlich geführt und gelobt werden darf. Die Begleithundeprüfung ist immer noch in vielen Hundesportarten die Voraussetzung, um auf Tunieren starten zu dürfen. Zwar ist ein guter Grundgehorsam ganz sicher auch für jeden Agility-Hund sinnvoll, warum solch ein Hund allerdings bei der BH nicht körpersprachlich geführt werden darf, erschliesst sich mir nicht.

In vielen neuen Hundesportarten wie Rally Obedience, Hoopers-Agility und Treibball wird gar keine BH als Startvoraussetzung mehr gefordert. Auch dies ist kritisch zu sehen, denn die Begleithundprüfung besteht zum Glück nicht nur aus der Choreographie auf dem Hundeplatz, sondern auch aus einer Prüfung im Öffentlichen Raum (Verkehrsteil), die im folgenden erläutert wird. Der Kompromiss im Turnierhundesport, wo seit diesem Jahr für Geländelauf und Canicross nur dieser Teil der Prüfung gefordert wird, ist sicherlich ein guter Ansatz.

Der „Verkehrsteil“ der Begleithundeprüfung muss nach Prüfungsordnung ausserhalb vom Hundeplatz, im Öffentlichen Raum und innerhalb einer geschlossenen Ortschaft stattfinden. Der Hundeführer muss zeigen, dass er seinen Hund auch hier souverän und sicher an der lockeren Leine führen kann, und der Hund hat sich bei Begegnungen mit Passanten, Fahrradfahrern, Joggern, Inlineskatern, Autos und anderen Hunden unbefangen und freundlich bis neutral zu verhalten. Auch ein kurzes Anbinden des Hundes, bei dem sich der Hundeführer entfernt und ein anderer Hund an dem Wartenden vorbei geht, gehört dazu.

Leider wird dieser Teil der Prüfung von manchen Leistungsrichtern sehr stiefmütterlich behandelt, obwohl die Prüfungsordnung dessen Bedeutung sehr betont. Ich hoffe, dies wird sich in Zukunft bessern, denn ein „Begleithund“ sollte sich sowohl in der Öffentlichkeit als auch bei Hundesportveranstaltungen im Sinne aller Beteiligten sozial verträglich zeigen.

Ist dies alles geschafft, darf das Team stolz seine Leistungsurkunde mit eingetragener Begleithundeprüfung entgegen nehmen. Turnierstarts sind nun spätestens in einem Hundealter von 18 Monaten in jeder Sportart des VDH erlaubt und manche Gemeinden erlassen sogar einen Teil der Hundesteuer. Auch in rechtlichen Auseinandersetzungen kann der Nachweis einer bestandenen BH sicher hilfreich sein.

Für mich ist die Begleithundeprüfung das Mindestziel mit jedem unserer Hunde, egal ob der Hund mit einem oder mit elf Jahren zu uns kommt. Ein Ziel zu haben, motiviert mich, kontinuierlich und systematisch mit dem Hund zu arbeiten. Allerdings führe ich meine Hunde auch während der BH ein wenig körpersprachlich und lobe sie auch immer wieder. Schliesslich besteht man die Prüfung zur Not auch mit 42 von 60 möglichen Punkten 😉 … und soviele Punkte verliert man durch „Hündisches Führen“ gar nicht!