…, wie du das Premack-Prinzip beim Belohnen nutzen kannst?

Nein? Du hast keine Ahnung, was das überhaupt ist? Na dann lies einfach weiter!

Das Premack-Prinzip der Lernpsychologie besagt, dass Verhaltensweisen mit hoher Auftretenshäufigkeit als Verstärker für Verhaltensweisen mit niedriger Auftretenshäufigkeit verwendet werden können. „Die Gelegenheit zu wahrscheinlicherem Verhalten kann weniger wahrscheinliches Verhalten verstärken“ (David Premack, 1962). (Stangl, 2020).

Verwendete Literatur
Stangl, W. (2020). Stichwort: ‚Premack-Prinzip‘. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
WWW: https://lexikon.stangl.eu/12592/premack-prinzip/ (2020-01-18)

Was bedeutet das nun für die Praxis?

Das bedeutet, dass ich meinen Hund für ein bestimmtes Verhalten mit allem belohnen kann, das er lieber tut, als dieses.

Da Motivation durch in Aussichtstellen oder durch die Erwartung einer Belohnung entsteht, kann ich meinen Hund auf diesem Wege motivieren, verstärkt von mir gewünschtes Verhalten zu zeigen.

Immer noch zu theoretisch?

Ich gebe euch ein Beispiel:

Du hast einen unsicheren Hund an der Leine, der bei der Begegnung mit anderen Hunden ab einer bestimmten Distanzunterschreitung (sagen wir mal 5 m) defensives Drohen zeigt. Dieses Verhalten gefällt dir nicht. Vorher, bei einer Distanz von ca. 15 m, zeigt er Flirten und Beschwichtigen (fängt z.B. an zu Schnüffeln oder zu Pföteln) und bei ca. 10 m Imponierverhalten. Du willst nun deinen Hund motivieren, verstärkt Flirten und Beschwichtigen zu zeigen. Dies erreichst du, indem du dieses Verhalten belohnst. Futter interessiert deinen Hund in dieser Situation häufig nicht. Deshalb beobachtest du deinen Hund genau, reagierst rechtzeitig, markerst das gewünschte Verhalten mit einem Clicker oder Markerwort und belohnst den Hund mit dem, was er gerade viel lieber machen würde, als weiter auf den anderen Hund zuzugehen: Du weichst mit ihm zusammen dem fremden Hund aus, gehst einen Bogen um diesen herum oder drehst um.

Und schon hast du das Premack-Prinzip genutzt: Du hast das von dir gewünschte Verhalten (Flirten und Beschwichtigen) mit dem belohnt, was der Hund in dem Moment noch lieber machen würde: Ausweichen und die Distanz vergrössern!

Hat man dieses Prinzip einmal verstanden, erschliessen sich ganz neue Möglichkeiten der Belohnung und Motivation. Reflektiert doch einmal die von euch genutzten Belohnungen und lotet aus, welche Spielräume ihr dabei noch habt!