Kommunikation Hund-Hund

Auch unter Hunden gilt: Kommuniziert wird IMMER!

Eine (annähernd) vollständige Beschreibung der hundlichen Kommunikation würde Bücher füllen. Der folgende Beitrag versteht sich als Appetithäppchen. (Mehr Wissen zu dem Thema gibt es in Pürzelchen-Kursen und natürlich in den Büchern von z.B. Feddersen-Petersen, Gansloßer und Kitchenham.)

Die körpersprachliche Kommunikation ist unter Hunden von grosser Bedeutung. Zwar ist ihre Mimik im Vergleich zu der der Wölfen weniger differenziert aber dennoch äusserst komplex. Lefzen, Maulspalte, Maß des Zähnezeigens, Nasenrücken, Stirn, Augen und Ohren können in vielfältigen Kombinationen Motivationen, Emotionen und Absichten anzeigen.

Aber auch der restliche Körper des Hundes ist an der Kommunikation beteiligt: Die Haltung und Ausrichtung des Kopfes, die Brusthaltung, die Verlagerung des Körperschwerpunktes, die Extremitäten, der Rücken, die Rückenhaare, die Körperspannung und die Positionen und Bewegungen der Rute müssen gemeinsam mit der Mimik immer als Gesamtbild oder Gesamtdisplay betrachtet werden.

Hierbei ist zu berücksichtigen, dass ein Hund durchaus verschiedene Motivationen, Emotionen und Absichten gleichzeitig ausdrücken kann. Man spricht dann von einem mischmotivierten Display.

Ausserdem ist immer der Kontext zu bewerten, in dem die Kommunikation stattfindet: In welcher Beziehung stehen die Hunde zueinander? Wie ist die Gesamtsituation? Wie ist die Dynamik der Situation? Welche Rolle spielt Bewegung? Wie sind die Positionen der Hunde aufeinander bezogen? Werden Rollen getauscht? Wirkt die Kommunikation übertrieben und gespielt?

Schwierigkeiten im Bereich der körpersprachlichen, innerartlichen Kommunikation entstehen durch den sich stark unterscheidenden Körperbau. Angefangen mit der Grösse, über veränderte natürliche Rutenstellungen und -beweglichkeiten und rassebedingt eingeschränkte oder schlecht sichtbare Mimik bis zu durch starke Behaarung nur schwierig wahrnehmbarer Körpersprache haben wir Menschen durch züchterische Veränderung die Basis für viele Missverständnisse gelegt. Nur eine gute innerartliche Sozialisation, die das Kennenlernen sehr verschiedener Hundetypen beinhaltet, kann hier ein wenig Abhilfe schaffen.

Taktile Kommunikation findet besonders unter einander vertrauten Hunden statt. Anstupsen, Schnauzenzärtlichkeiten, über die Schnauze beissen, Kontaktlaufen, -stehen oder -liegen, körperliches Spiel oder kleine Rempeleien lassen sich ständig beobachten. Letzendlich sind aber auch körperliche Auseinandersetzungen Teil der taktilen Kommunikation.

Die akustische Kommunikation der Hunde ist differenzierter, als viele Menschen glauben. Bellen ist nicht gleich Bellen, Knurren ist nicht gleich Knurren, Quietschen nicht gleich Quietschen und Jaulen nicht gleich Jaulen. Das Knurren zur Verteidigung einer Ressource unterscheidet sich durchaus von dem zum Fernhalten einer Bedrohung. Ein vertrautes Rudelmitglied wird mit anderen Lauten abgewehrt als der fremde Hund hinter dem Gartenzaun. Ein sicherer Hund bellt anders als ein unsicherer.

Zu diesem Theme gibt es interessante relativ neue Studien, die es sich zu Lesen lohnt. Es lohnt sich aber auch, Hunden einfach mal ein wenig genauer zuzuhören. Auch bei der Lautgebung gibt es wieder grosse rasseabhängige Unterschiede.

Der wohl für uns geheimnisvollste Bereich der Kommunikation zwischen Hunden ist der olfaktorische. Hunden riechen ca. 1 Millionen Mal besser als wir. In der direkten Kommunikation spielt Genital-, Anal- und Fellwittern eine wichtige Rolle. Aber auch die Pfoten und die Ausatemluft werden berochen. Letzteres sieht man häufig bei jüngeren Hunden, die anhand der Ausatemluft des Älteren erkennen wollen, warum dieser bellt oder jault.

Langfristige und ungerichtete olfaktorische Kommunikation ist wohl jedem Hundemenschen von den täglichen Spaziergängen bekannt. Kot, Urin und der Schweiss der Fusssohlen hinterlassen unmissverständliche Botschaften.

Aufbauend auf der Beschreibung der Kommunikation lässt sich dann eine Zuordnung von bestimmten Verhaltensweisen zu verschiedenen Funktionskreisen und Verhaltenskategorien treffen.