Kommunikation Mensch-Hund (1)

Wenn wir über die Kommunikation mit unseren Hunden nachdenken, ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass wir stets ob bewusst oder unbewusst nicht nur akustisch sondern immer auch optisch (Körpersprache inklusive Mimik), olfaktorisch und vielleicht manchmal auch taktil kommunizieren.

Ich verdeutliche dies mal an dem Beispiel der obigen Bilder: Ich führe Schlappi hier bei der Bayerischen Meisterschaft in einem Rally Obedience Parcour. Konzentrieren wir uns einmal auf mich als Sender. Zusätzlich zu dem konditionierten verbalen Signal für „Zurück“ bzw. „Sitz“ und dem verbalen Loben nutze ich körpersprachliche Signale. Beim „Zurück“ arbeite ich mit einer Mischung aus konditionierten körpersprachlichen Signalen (Handstellung rechte Hand, Füsse) und aus für den Hund natürlicherweise verstandener Körpersprache (Drehung Schulter und Hüfte). Zusätzlich lächel ich (wir haben wirklich Spass) und kommuniziere Schlappi damit, dass er es gut macht. Beim „Sitz“ nutze ich ein konditioniertes Handzeichen und lächel. In beiden Fällen halten wir gegenseitig Blickkontakt. Unbewusst habe ich bei diesem Wettkampf bestimmt eine höhere Körperspannung als beim Training, die mein Hund ganz sicher wahrnimmt. Taktile Kommunikation meinerseits ist in diesem Sport nicht erlaubt, aber olfaktorisch sende ich in diesem Moment (ungewollt) viele Informationen. Schlappi riecht mit Sicherheit meine Aufregung und Anspannung, aber auch meine Freude am gemeinsamen Arbeiten. Da er mich in diesem Zustand kennt, lässt er sich dadurch nicht mehr verunsichern.

Egal ob akustisch, optisch, taktil oder olfaktorisch, ein Teil unserer Kommunikation wird vom Hund natürlicherweise verstanden, weil sie seiner innerartlichen Kommunikation ähnelt. Ein anderer Teil wird von ihm verstehen gelernt, entweder durch wiederholtes Erleben im Alltag oder aber durch eine bewusste Konditionierung unsererseits.

Missverständnisse entstehen, wenn das übermittelte Signal für den Hund eine ganz andere Bedeutung hat als für uns Menschen. Problematisch sind für Hunde auch nicht authentische Menschen, bei denen die verschiedenen Ausdrucksbereiche einander widersprechen.

Akustische Kommunikation:

Bei verbalen Signalen erleichtern wir dem Hund das Lernen, wenn wir immer dasselbe, kurze Wort mit zumindest ähnlicher Betonung für dieselbe Sache benutzen. Mit der Zeit sind Hunde auch in der Lage, bekannte Signalworte aus komplexen Sätzen heraus zu filtern, aber zu Beginn sollte man auf diese Herausforderung verzichten. Tonfall, Energie, Frage oder Befehl, Stimmlage, Betonung und Lautstärke werden von Hunden ebenfalls wahrgenommen und (zum Teil intuitiv, zum Teil erlernt) bewertet.

Beispiel: Wenn meine Hunde ins Auto springen sollen, heisst das bei mir „Schlappi Auto“ oder „Lina Auto“. Schlappi versteht mittlerweile aber auch, wenn ich sage: „Schlappi kommst du mit ins Auto?“ und filtert daraus „Schlappi“ = Ich bin gemeint., „Kommst“ = kommen, „mit“ = Spaß haben, „Auto“ = ins Auto springen, Frageform = freundliche Einladung. Den freundlichen Tonfall versteht er intuitiv, die Bedeutung der Worte hat er gelernt.

Optische Kommunikation:

Häufig kombinieren wir verbale mit körpersprachlichen Signale. Wichtig ist bei dieser Kombination, zunächst das Wort zu sagen und erst ca. 1 Sekunde später dass optische Signal zu zeigen. Gibt man beide Signale gleichzeitig, überschattet das optische Signal das akustische, das somit nicht wahrgenommen und nicht gelernt wird. Körpersprachliche Signale sind optimalerweise dynamisch. Je mehr Bewegung im Signal ist, desto besser wird es vom Hund gesehen.

Andere optische Signale senden wir unbewusst. Hunde lesen unsere Körperspannung, Gewichtsverlagerung, Dynamik und Mimik gekonnt und lassen sich weniger täuschen als viele Menschen.

Viele menschliche körpersprachliche Signale versteht der Hund intuitiv, da sie den hündischen ähneln. Im Begrenzen, Einladen und Führen lassen sie sich im Alltag und im Sport nutzen. Andere aber haben für den Hund eine konträre Bedeutung. Läuft ein Mensch dem Hund schnell entgegen, um ihn dann vorgebeugt eng zu umarmen, ist dies für den Hund eher eine Bedrohung als eine freundliche Begrüßung. Zum Glück sind unsere Hunde so lernfähig, dass sie dieses und ähnliches seltsames menschliches Benehmen langfristig auch als positiv einstufen können.

Taktile Kommunikation:

Berührungen spielen unter vertrauten Hunden eine große Rolle. Hundemenschen sollten sich die Chancen, die darin liegen, nicht entgehen lassen. Besonders im soziopositiven Bereich können wir Lob, Zuneigung und Zugehörigkeit durch zum Beispiel Schnauzenzärtlichkeiten, zärtliche Berührungen und Kontaktliegen ausdrücken.

Olfaktorische Kommunikation:

Diesen Teil unserer gesendeten Signale können wir nicht beeinflussen. Oft ist er uns auch gar nicht bewusst, weil unsere eigene Wahrnehmung in diesem Bereich so begrenzt ist. Für Hunde sind die hier gegebenen Informationen aber sehr relevant. Passt das, was sie riechen, nicht zu dem Rest der ausgesendeten Signale, ist der Mensch für sie nicht berechenbar. Immer wieder fällt mir auf, dass Hunde authentische Menschen lieben und echtes von gespieltem Verhalten sicher unterscheiden können.

In der Pürzelchen-Ausbildung wird großen Wert auf die Kommunikation zwischen Mensch und Hund gelegt. Hunde zu verstehen und die eigene Kommunikation zu reflektieren und anzupassen ist unser Weg zu gegenseitigem Verstehen, einer engen, liebevollen Bindung und lebenslanger Freundschaft. Glückliche HundeMenschen – made by Pürzelchen! 🙂