Kommunikation Mensch-Hund (2): 5 Schritte zum sicheren Signal

Schritt 1: Signalauswahl

Für verbale Signale gelten folgende Kriterien:

  • kurzes Wort
  • möglichst unterschiedliche Vokale bei häufig im gleichen Kontext verwendeten Signalen
  • auf konstante Ausprache und Sprachmelodie achten
  • keine im Alltag anderweitig verwendete Worte

Für konditionierte körpersprachliche Signale gelten folgende Kriterien:

  • deutliche Gesten
  • möglichst dynamische Gesten
  • auf die restliche Körpersprache achten und versehentliche zusätzliche Signale vermeiden
  • keine im Alltag anderweitig verwendete Gesten

Immer gilt: Erst denken, dann verwenden!

Schritt 2: Signaleinführung

Grundsätzlich sollte der Hunde das Signal von Beginn an mit dem vollständig richtigen Verhalten verbinden.

Bringe ich einen Hund durch Futterlocken dazu, das gewünschte Verhalten zu zeigen, gebe ich mein Signal zunächst erst dann, wenn der Hund das Verhalten schon ausführt bzw. eine Position eingenommen hat. Bin ich mir sicher, dass mein Futterlocken zu 100 % zum gewünschten Ergebnis führt, gebe ich es während er beginnt das Verhalten auszuführen oder die erstrebte Position einzunehmen. Zeigt der Hund auf diese Weise immer das gewünschte Verhalten/die angestrebte Position, gebe ich mein Signal 0,5 Sekunden vor der Ausführung, um eine Verknüpfung herzustellen. Funktioniert auch das sicher, baue ich das Futterlocken langsam ab.

Ich achte immer darauf, dass der Hund keinen Fehler machen kann, indem ich meine Schritte sehr klein wähle, Ablenkungen mit berücksichtige, genug Hilfe gebe, auf die Ermüdung meines Hundes achte und das Training rechtzeitig beende. (Mehr zu Trainingsprinzipien findet ihr hier.)

Lernt mein Hund ein Verhalten über freies Formen, führe ich das Signal erst ein, wenn er es sich vollständig erarbeitet hat.

Möchte ich ein Signal zunächst über klassische Konditionierung mit einer bestimmten Emotion/einem Reflex verbinden, achte ich beim Übergang zum gewünschten Verhalten darauf, genug Hilfe zu geben und geeignete Situationen zu wählen, damit der Hund nach jedem Signal zu 100 % das gewünschte Verhalten zeigt (siehe Notfallrückruf).

Schritt 3: Überschattung vermeiden

Wollen wir unserem Hund ein neues Verhalten beibringen, neigen wir oft dazu, ihn dabei durch unsere Körpersprache zu unterstützen. Das ist im Grunde auch eine gute Vorgehensweise. Nur müssen wir unsere Bewegungen reflektieren und uns bewusst sein, dass der Hund diese Hilfen als körpersprachliches Signal wahrnimmt.

Will ich nun ein verbales Signal einführen, gebe ich dieses stets 0,5 bis 1 Sekunde vor der körpersprachlichen Hilfe , da der Hund es sonst kaum wahrnehmen kann. Hunde kommunizieren untereinander überwiegend körpersprachlich. Deshalb wird das körpersprachliche Signal das verbale stets überschatten, wenn beide gleichzeitig gegeben werden. Genauso verhält es sich mit bewusst konditionierten körpersprachlichen Signalen.

Häufig kommt es zu Missverständnissen zwischen Hund und Mensch, weil der Hund ein verbales Signal gar nicht wirklich gelernt hat, da es immer nur in Verbindung mit einem körpersprachlichen Signal gegeben wurde. Schnell wird dann dem Hund Sturheit unterstellt, obwohl es sich um einen leicht zu vermeidenden Ausbildungsfehler des Menschen handelt.

Schritt 4: Signalkontrolle

Bei der Reizgeneralisierung lernt der Hund, ähnliche Signale (zum Beispiel in verschiedenen Lautstärken oder von unterschiedlichen Personen gegeben) als gleichbedeutend zu verstehen. Auch die Gabe des Signals in unterschiedlichen Positionen zum Hund, mit verschiedenen und steigenden Ablenkungen und an unterschiedlichen Orten gehört dazu. Wenn ich beim Telefonieren beiläufig das Wort „Körbchen“ verwende und Schlappi daraufhin in sein Körbchen geht, spricht das für eine gute Reizgeneralisierung.

Bei der Antwortgeneralisierung ist das Lernziel, die Antwort auf das Signal auch in ähnlichen Situationen zu geben. Ein Hund lernt zum Beispiel auf das gleiche Signal hin unterschiedliche Gegenstände zu umrunden oder als Slalom oder Hürde zu erkennen. Schlappi neigt von sich aus sehr zur Antwortgeneralisierung, was häufig zu überaschenden und lustigen Situationen im Training oder Turnier führt.

Die Fähigkeit und damit Neigung zum Generalisieren ist unter Hunden sehr unterschiedlich ausgeprägt. Es erfordert das Erkennen von Ähnlichem, also Abstraktion.

Mit Diskriminierung wird die Fähigkeit beschrieben, ähnliche Signale mit unterschiedlicher Bedeutung auseinander zu halten. Auch dies muss geübt werden.

Generalisierung und Diskriminierung sind die Voraussetzung für eine Signalkontrolle.

Ausserdem führt zur Signalkontrolle, dass Verhalten nur noch dann verstärkt wird, wenn es auf das entsprechende Signal hin gezeigt wurde. Der Hund wird also zum Beispiel nur noch dann belohnt, wenn er auf das Signal „Wippe“ hin über die Wippe läuft, nicht, wenn er dies ohne Aufforderung macht.

Eine Signalkontrolle liegt vor, wenn ein Verhalten mit einem Signal fest verknüpft worden ist. Es kann durch das Signal jederzeit ausgelöst werden und wird – zumindest in der Trainingssituation – auch nur auf das Signal hin gezeigt.

Schritt 5: Signalbeständigkeit

Um eine Signalkontrolle für ein bestimmtes Verhalten dauerhaft gegen Vergessen zu schützen, haben sich folgende Maßnahmen bewährt:

Ein Signal ist erst „fertig trainiert“, wenn das gewünschte Verhalten fliessend beherscht wird. Das ist der Fall, wenn die Ausführung nahezu unterbewusst geschieht. Hierfür trainiere ich mit den Zielen einer immer kürzeren Latenzzeit (Zeit zwischen Abgabe und Annahme des Signals) und einer immer schnelleren und dabei stets korrekten Ausführung.

Alle drei Bewertungskriterien lassen sich gut über die Wertigkeit der gegebenen Belohnung verbessern. Hierbei konzentriere ich mich während einer Trainingseinheit allerdings immer nur auf eines der Drei. Für eine Ausführung mit kurzer Latenzzeit gibt es dann zum Beispiel ein Stück Käse, für eine verzögerte Annahme des Signals nur ein verbales Lob, wobei der Anspruch an die Kürze der Zeit langsam steigt. Dazu muss ich allerdings die individuelle Wertigkeit von Belohnungen für meinen Hund kennen und auch das Premack Prinzip kann sehr hilfreich sein.

Außerdem arbeite ich mit variabler Belohnung/Verstärkung, belohne also nicht mehr jedes korrekt angenommene Signal sondern nur noch jedes zweite, dritte oder vierte. Dadurch gelingt es, den Dopaminspiegel des Hundes und damit seine Lernmotivation noch weiter zu erhöhen und das Gelernte besser dauerhaft zu festigen.

Erst nach dem 5. Schritt ist ein Signal und das zugehörige Verhalten „fertig“ trainiert!

Viele Hundeführer beenden das Training viel früher in der Annahme, ihr Hund „könne“ es bereits. Führt er ein Signal dann nicht zuverlässig aus, wird ihm Sturheit oder gar ein Rangordnungsproblem unterstellt. Zusätzlich zu den oben beschriebenen 5 Schritten gibt es einen guten Richtwert in Wiederholungszahlen dafür, wie lange es auch bei optimalem und wie hier beschrieben systematischem Training dauert, bis ein Signal und das entsprechende Verhalten wirklich gelernt sind:

30 Wiederholung – Hund hat eine vage Idee

80 Wiederholungen – Signal und Verhalten sind unter optimalen Umständen verknüpft

2000 Wiederholungen – Signalkontrolle und Signalbeständigkeit sind erreicht

Werden beim Signalaufbau Fehler gemacht, die oben beschriebenen 5 Schritte nicht in dieser Reihenfolge eingehalten oder Fehlverknüpfungen verursacht, ist der Weg zum Ziel natürlich länger.

Jetzt wünschen wir euch ganz viel Spaß beim Trainieren. Wenn ihr Hilfe braucht, stehe ich euch gerne zur Verfügung! 🙂 Habt ihr schon die anderen Beiträge zum Thema Kommunikation gelesen?