Gefährliche Hunde ?

Ben heißt er, der Staffordshire Mix Rüde, dessen Schicksal gestern bei Hund-Katze-Maus vorgestellt wurde. Ben, der Kampfhund, der einen Chiuhuahua getötet hat, und deswegen beschlagnahmt wurde und im Tierheim landete.

Eigentlich hätten die Besitzer des Chihuahua hinter Gitter gehört …

… , denn Ben war angeleint, als er den Chihuahua biss. Die Chihuahua-Menschen waren es, die auf ihren Hund nicht aufgepasst haben. Sie alleine haben den Tod ihres Hundes zu verantworten. Aber natürlich waren es Ben und dessen Besitzer, die bestraft wurden, denn Ben ist ein Kampfhund!

Hätte der Chihuahua eine Maus gefangen …

… , wäre gar nichts passiert. „Das ist doch ein Hund.“, hätte man gesagt: „Das ist natürliches Jagdverhalten.“ Doch Ben hat auch nur gejagt. (Das wurde im Rahmen des gezeigten Verhaltenstestes sehr deutlich.) Es ist nicht seine Schuld, dass die Menschen in ihrem unermesslichen Zuchtwahn Hunde gezüchtet haben, die für Ben nicht mehr wie Hunde aussehen. Und es ist auch nicht seine Schuld, dass sein Besitzer vielleicht eine sorgfältige Sozialisation auch in Bezug auf kleine Hunde versäumt hat. Er ist ein Terrier, er jagt Ratten, knallhart und kompromisslos, das war schon immer so gewollt. Der Chihuahua sah aus wie eine große Ratte.

Aber Ben ist doch gefährlich …

… , schließlich ist er doch ein Kampfhund! Was sind eigentlich Kampfhunde? In Bayern heißt es korrekt: Hunde mit gesteigerter Aggressivität und Gefährlichkeit. Gefährlichkeit setzt eine gewisse Körpergröße voraus, dadurch haben die Dackel und kleinen Terrier Glück gehabt. Und die gesteigerte Aggressivität? Woran macht man die fest? Wenn man ehrlich ist: An gar nichts! Vielleicht an irgendwelchen (häufig sogar fehlinterpretierten) Einzelfällen oder persönlichen Befindlichkeiten! Weder Statistiken noch Studien rechtfertigen die heutigen „Kampfhundelisten“. Ginge man nach genetischen Auffälligkeiten im Bereich des Aggressionsverhaltens, ließen sich am ehesten einige Spaniel- und Goldenretriever-Linien nennen. Ginge es nach Beißstatistiken würde der Deutsche Schäferhund als im Verhältnis zu seiner Population überrepräsentiert auffallen. Ansonsten lassen sich genetisch unter Hunden nur die Bedenkenträger und die Naseweise unterscheiden, mit ihrer jeweils typischen Art, die Welt zu entdecken und auf ihre Umwelt zu reagieren. Was aus denen wird, liegt an ihrem Umfeld. Dazu kommt noch, dass viele Beißunfälle im Beutefangverhalten begründet sind (Hund mit Biss) und dass es keinen statistischen Zusammenhang zwischen der Neigung zu aggressivem Verhalten gegenüber Menschen und gegenüber Hunden gibt.

Menschliche Dummheit und Unwissenheit …

… ist es, unter der viele Hunde leiden. Zu Beißunfällen aus dem Beutefangverhalten heraus kommt es durch mangelnde Sozialisierung in Bezug auf Kinder oder kleine Hunde und durch Spiele oder Ausbildungsmethoden, in denen keine Brandmauer zwischen Aggressionsverhalten und Jagdverhalten gezogen wurde oder gar das Packen und Töten in hoher Erregungslage bis hin zum Suchtverhalten vertstärkt wurde.

Die Dummheit und Unwissenheit setzt sich fort in der Be- und Verurteilung bestimmter Hunderassen, denen völlig ungerechtfertigt und wissenschaftlich nicht haltbar eine gesteigerte Aggressivität und Gefährlichkeit unterstellt wird.

Es wird Zeit …

… , dass sich etwas ändert. Sinnlose Kampfhundelisten gehören abgeschafft. Stattdessen sollte eine gute Ausbildung der Hundehalter eingefordert werden. Eigentlich ist das längst so, auf Paragraph 2 des Tierschutzgesetzes sei hier verwiesen (Mit meinem Hund darf ich machen, was ich will!). Und doch ist es nicht so. Jeder Hundehalter sollte wissen, was ein Naseweis braucht und was ein Bedenkenträger, um ohne inadäquates Aggressionsverhalten glücklich durchs Leben zu kommen, und wie man Beißunfälle im Rahmen des Beutefangverhaltens vermeidet.

„Freispruch“ …

hieß das Programm eines bekannten Hundetrainers, und ich möchte mich ihm hier anschließen. Freispruch für die Hunde – aber nicht für die Menschen. Wer Zweifel an dem hat, was ich schrieb, dem empfehle ich ganz dringend die Werke von Gansloßer, Kitchenham und Feddersen-Petersen und von letzterer ganz besonders das Buch „Hundepsychologie“.