Nur kein Stress!

Zu viel Stress verhindert Lernen und ist ungesund. Wir alle wollen aber (hoffentlich), dass sich unsere Hunde während des Trainings wohl fühlen, dass sie Spass haben und glücklich sind. Dafür lohnt es sich, sich einige wichtige Voraussetzungen dafür bewusst zu machen:

Vor dem Training:

  • Lasst euren Hund in Ruhe am Trainingsort ankommen, bevor ihr mit dem Training beginnt. So hat er Gelegenheit, seine Umgebung mit allen Sinnen wahrzunehmen und einzuordnen. Praktisch bietet sich hierzu ein gemütliches Gassigehen vor Ort an, evtl. auch schon zusammen mit den Trainingspartnern. Dies gilt natürlich besonders an neuen Trainingsorten. „Aus dem Kofferraum raus und los“ ist keine gute Idee.
  • Damit sind wir auch schon beim zweiten Punkt: Gebt eurem Hund vor Trainingsbeginn die Gelegenheit, seine dringenden, grundlegenden Bedürfnisse zu befriedigen. Neben dem Gassigehen gehört dazu auch, dass euer Hund ausgeruht, entspannt und nicht durstig sein soll. Eurem Hund sollte während des Trainings weder zu kalt noch zu heiß werden.
  • Spätestens nun solltet ihr auch eure eigene Stimmung reflektieren. Seid ihr gestresst, schlecht gelaunt, innerlich aufgewühlt, unkonzentriert, genervt oder lustlos, lasst das Training besser ausfallen. Es ist unfair, wenn ein Hund, der sich nach Kräften bemüht seinem Menschen zu gefallen, die schlechte Laune des Menschen spürt. Er weiss ja nicht, das diese Laune nichts mit ihm zu tun hat!
  • Neue Menschen oder Hunde im Training sind für Hunde immer interessant, für die einen positiv aufregend, für die anderen negativ ängstigend. Berücksichtigt dies vor Trainingsbeginn und gebt eurem Hunde (auf die seinen individuellen Bedürfnissen entsprechende Art) die Gelegenheit, diese kennenzulernen.
  • Stellt vor dem Training sicher, dass ihr nicht von zu vielen ablenkenden Umweltreizen und konkurrierenden Motivationsobjekten umgeben seid. Was zuviel ist, hängt vom individuellen Hund, desses Trainingsroutine und dessen Trainingsniveau in einer bestimmten Übung ab. Eine gezielte Erhöhung der Umweltreize gehört dagegen zum Training.

Während des Trainings:

  • Gebt eurem Hund ein klares Signal (Wort oder Ritual) zum Trainingsbeginn. Danach muss für Mensch und Hund klar sein, dass die volle Konzentration und Kommunikation dem Trainingspartner gewidmet wird.
  • Beginnt zum Einstimmen auf das Training immer mit leichten und schon bekannten Übungen. Bei sportlichem Training ist neben diesem mentalen natürlich auch das körperliche Aufwärmen wichtig.
  • Überfordert euren Hund nicht durch zu grosse Schritte im Trainingsaufbau! Wer hier Hilfe braucht, liest bitte den Artikel „Salamitechnik für den Hund„.
  • Gestaltet das Training nicht zu schwierig und berücksichtigt bei der Beurteilung immer, dass alle Umweltreize die Schwierigkeit einer Übung erhöhen.
  • Achtet auch darauf, euren Hund körperlich nicht zu überfordern! Bedenkt bei „Arbeitsverweigerung“ immer auch die Möglichkeit körperlicher Ursachen wie z.B. Schmerzen!
  • Achtet auf eine klare, faire und sorgfältig konditionierte Kommunikation! Euer Hund ist ständig bemüht, euch zu verstehen. Es ist an euch, Signale auch wirklich bis zur Signalkontrolle zu trainieren. Führt ein Hund ein nur halb trainiertes Signal nicht aus und wird dafür korrigiert, ist das extrem unfair. Hunde haben ein Gefühl für Gerechtigkeit, und Ungerechtigkeit verunsichert und stresst sie. Klare Kommunikation dagegen gibt Hunden Sicherheit. Zu diesem Thema empfehle ich euch die fünf Beiträge zur Kommunikation.
  • Auch das Trainieren über Strafe und Druck solltet ihr unbedingt vermeiden. Lest hierzu den Artikel „Wusstest du, dass das Training über Strafe ziemlich riskant ist?„!
  • Kennt und erkennt Beschwichtigungssignale eures Hundes! Wer hier Hilfe braucht, liest bitte den Artikel „Wusstest du, dass Hunde häufig Beschwichtigungssignale zeigen?„.
  • Genauso wichtig wie das Aufwärmen ist auch das Abwärmen. Ein Spiel nach dem Lernen fördert die Speicherung des Gelernten im Langzeitgedächtnis.
  • Beendet das Training mit einem klaren Signal oder Ritual!

Nach dem Training:

  • Eine Gassirunde leitet aktiv die Regeneration und damit die Ruhephase nach der Aktivitätsphase ein. Ein deutlicher Wechsel zwischen diesen beiden Phasen führt zur Stressreduktion.

Wie merke ich, dass etwas schief läuft?

Woran kann ich erkennen, dass es meinem Hund beim Training nicht gut geht, dass sein Stress- und Erregungslevel zu hoch ist? Die folgende Aufzählung ist nur als Anhaltspunkt zu verstehen. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Allgemeingültigkeit. Wichtig ist es immer, seinen eigenen Hund gut zu kennen und zu beobachten!

  • Hund nimmt kein Futter / nimmt Futter ohne Beißhemmung
  • Hund verweigert Mitarbeit
  • Leistung / Konzentration des Hundes lässt nach
  • Hund ist unruhig oder bellt
  • Neigung zu agonistischem / aggressivem Verhalten nimmt zu
  • Durchfall
  • Hecheln, Speicheln, Zittern, Schuppen, schwitzige Pfoten, Unruhe
  • hoher Muskeltonus
  • Beschwichtigungssignale
  • Übersprungshandlungen (z.B. Rammeln / Besteigen)
  • langfristig: erhöhte Infektanfälligkeit

In diesem Sinne wünsche ich euch viel Freude beim Training!