Hundemythen

Eine Auswahl von Mythen rund um den Hund, die auch mir immer wieder begegnen, werden hier von Conny Sporrer wunderschön disskutiert. Den Punkt „Hochspringen“ sehe ich noch ein bisschen differenzierter, aber überwiegend spricht sie mir aus dem Herzen, besonders was das Hochheben im Bedrohungsfall von kleinen Hunden oder Welpen angeht.

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Als ich vor Jahren (noch kein wirkliches Hintergrundwissen habend) beim Sachkundenachweis für die Begleithundeprüfung ankreuzte, dass man kleine Hunde bei Hundebegegnungen niemals hochheben dürfte, beschloss ich innerlich, dass ich das anders handhaben würde. Die Entscheidung traf ich aus reiner Intuition, Erfahrungen im zwischenmenschlichen Bereich und Liebe zu meinem Hund: Man spricht wohl auch vom Bauchgefühl. Aus dem gleichen Bauchgefühl heraus beschloss ich, dass mein Hund gar nichts mit anderen Hunden klären muss, sondern dass das mein Job ist. Heute kenne ich die entsprechenden wissenschaftlichen Hintergründe zu meinem Handeln, und das gibt mir noch mehr innere Sicherheit darin. Diese Sicherheit kann ich meinem Hund weitergeben.

Ich möchte euch Mut machen: Handelt nicht gegen euer Bauchgefühl!

  • Seid euch bewusst, dass im Bereich der Hundeerziehung viele Mythen nahezu unsterblich sind.
  • Ein guter Hundetrainer kann euch sein Vorgehen wissenschaftlich begründen. Er ist sich aber auch bewusst, dass Wissenschaft nicht allwisssend ist, dass auch dort neue Erkenntnisse alte ablösen können.
  • Er wird aber auch so ehrlich sein euch zu sagen, dass mancher Tipp „nur“ auf Erfahrungen basiert.
  • Ein guter Hundetrainer wird sein Wissen mit euch teilen und euch zu mündigen HundeMenschen machen.
  • Und ein guter Hundetrainer wird euch nie zwingen, gegen euer Bauchgefühl zu handeln. Im Gegenteil, er wird euch ermuntern, dies nicht zu tun!

Ein lustiges Beispiel aus der Praxis:

Ich hatte eine Freundin besucht. Als wir uns nach einem Spaziergang wieder dem Haus der Freundin näherten, trat die Nachbarin aus ihrem Haus. Meine Freundin warnte mich: „Da kommt bestimmt gleich deren Hund hinterher.“ Meine Frage an die Nachbarin, ob gleich ihr Hund kommen würde, bejahte diese. Daraufhin nahm ich meinen Kleinen in aller Ruhe auf den Arm. Warum?

  • Aus früheren Erzählungen wusste ich, dass es sich bei dem Hund der Nachbarin um einen übergewichtigen (70 kg KG!) unkastrierten und völlig ungehorsamen Rottweilerrüden handelt.
  • Mein Hund ist ein 10 kg schwerer unkastrierter Rüde, der bereits einen Bandscheibenvorfall hatte.

Folgende Probleme ergeben sich daraus:

  • Gewichtsunterschied
  • Kraftunterschied
  • unerzogener Rottweiler
  • zwei unkastrierte Rüden auf dem Territorium des Rottweilers

In diesem Moment wurde die Nachbarin zur Furie: Was mir denn einfiele, meinen Hund auf den Arm zu nehmen. Ich würde meinen Hund gefährden. Wenn ich ihn am Boden ließe, könnten die Hunde ganz natürlich miteinander kommunizieren. Ob ich denn in keiner Hundeschule gewesen wäre? 🙂

„Natürliche Kommunikation“ (mal ganz abgesehen davon, dass diese eh nicht möglich gewesen wäre, denn ich hätte meinen Hund dort nicht abgeleint) hätte hier durchaus auch agonistisches Verhalten bishin zum Ernstkampf sein können, denn wir befanden uns auf dem erweiterten Territoriun des Rottweilers. Und ganz davon abgesehen halte ich die nähere Kommunikation zwischen meinem und jedem dahergelaufenen Hund auch für völlig unnötig. Ich nehme auch nicht mit jedem Menschen auf der Straße Körperkontakt auf. (Mein Hund lebt in einem Rudel und hat viele gute Hundefreunde, mit denen er nach Herzenslust kommunizieren kann.) Außerdem war die einzige, die in diesem Moment meinen Hund (bzw. mich) gefährdete, die Nachbarin, die ihrer gesetzlichen Verpflichtung, ihren Hund im öffentlichen Raum zu kontrollieren, nicht nachkam.

Je nach meiner Reaktion lernt mein Hund in solchen Situationen entweder, dass er sich auf mich verlassen kann und dass es eine gute Entscheidung ist, sich meiner Führung anzuvertrauen. Oder er lernt, dass ich ihn im Ernstfall im Stich lasse und dass er seine Angelegenheiten deshalb selber regeln muss.

(Die Panik der Nachbarin lässt sich ganz leicht erklären: Den meisten Hundehaltern ist bewusst, dass ihnen weit mehr Ärger droht, wenn ihr Hund einen Menschen statt einem anderen Hund beschädigt. Und dass der Weg ihres Hundes zu meinem nur über mich geführt hätte, ist ihr mit Sicherheit auch durch meine Körpersprache schlagartig klar geworden. Zu allem Überfluss liegt der Vorfall nur wenige Wochen zurück. Alleine die Gefahr einer Übertragung von SARS-CoV-2 sollte doch zur Zeit jeden anständigen Menschen dazu bewegen, unerwünschte Hundekontakte rigoros zu vermeiden.)

Auf der Seite „Trainieren satt dominieren!“ findet ihr neben vielen anderen ganz tollen und lesenswerten Beiträgen auch einen zu diesem Thema.

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