Ängstliche Hunde auf der Suche nach …?

… nach Menschen! … nach fremden Menschen! … nach fremden Menschen an komischen Orten!

Mantrailen, natürlich nur spielerisch, mit Angshunden – geht das?

Das haben wir uns auch gefragt und es einfach einmal probiert. Unsere Versuchkandidaten waren Sola , Pippo und Ninona, drei überaus ängstliche und traumatisierte Hunde aus dem Tierschutz, die jetzt zwischen 2 und 10 Monaten in Deutschland sind. Selbstverständlich haben wir nur über ganz kurze Strecken gearbeitet, die Versteckpersonen waren die vertrauten Menschen und die sind natürlich auch vor den Augen der Angsthündchen und mit Leckerlis wedelnd weggegangen.

Sola (Briciola):

Bei den ersten Versuchen ließen wir Sola ihr eigenes Frauchen suchen. Ihr fiel es sichtlich schwer, sich zu trauen, die Führung zu übernehmen. Immer wieder sah sie mich hilfesuchend an. Der Durchbruch kam, als ich mich zusammen mit Schlappi, ihrem besten Freund, versteckte. Da kam sie ziemlich schnell um die Ecke geschossen, ihr Frauchen hinten dran. Gefreut hat sie sich dann über Schlappi und die Leckerlis! Beim letzten Training hat sie mich dann auch ohne Schlappi schon mit Begeisterung gesucht und gefunden.

Pippo:

Pippo liebt seine Schwester. Also haben wir ihn sein Frauchen und Sola suchen lassen und das hat er auch sofort gemacht. Mal schauen, ob er nächstes Mal auch mal nur sein Frauchen sucht? Pippo ist allerdings auch erst seit vier Wochen in seiner Familie

Ninona (Nina):

Ninona hatte zu Beginn auch große Schwierigkeiten damit vorzugehen und hatte dann auch eine riesige Angst, sich der Versteckperson zu nähern, um das Leckerli in Empfang zu nehmen. Wir haben es ihr dann zugeworfen oder sind ihr entgegangen, um es ihr anzureichen.

Obwohl sie die Versteckpersonen eigentlich alle total lieb hat, waren sie in der neuen Situationen für sie beängstigend. Sie hat in der Phase des Generalisierens nicht gelernt, dass (die meisten) Menschen ihr nichts antun wollen. Auch Eigeninitiative zu zeigen, fällt ihr besonders in einer neuen Situation schwer. Wahrscheinlich hat sie einfach gelernt, dass ihre Umwelt für sie nicht beeinflussbar und unberechenbar ist. Jede Art von Erwartungshaltung löst bei ihr Angst aus, als wenn sie sich davor fürchten würde einen Fehler zu machen.

Genau das soll oder besser darf sie lernen! Sie darf Entscheidungen treffen und sie darf Fehler machen. Ihr Mut wird mit ganz viel Lob, Kuscheln und Leckerlis belohnt. In nur zwei Wochen hat sie gelernt, freudig voran zu gehen, dabei die ganzen 8 Meter der Leine nach vorne zu nutzen, mutig zuerst um eine Ecke herum zu schauen, einen Menschen zu finden, sich diesem selbstständig zu nähern und auch das Leckerli zu genießen. Nun warten wir darauf, dass sie wie die anderen vor Vorfreude quietschend auf ihren Start wartet. Und ich glaube, da warten wir nicht lange.

Die langfristige Idee ist, dass unsere Angsthündchen lernen, dass…

  • … sie Eigeninitiative zeigen dürfen und sich nicht in erlernte Hilflosigkeit flüchten müssen.
  • … sie etwas können, was wir nicht können, und wir ihnen vertrauen.
  • … die Annäherungen an einen Menschen, langfristig auch an einen Fremden, etwas Positives ist.
  • … wir sie als Teampartner ernstnehmen und Zusammenarbeit Spaß macht.