Die Bayern sind mal wieder die letzten!

Nachsitzen Herr Söder! In allen anderen Bundesländern ist Hundetraining schon lange wieder erlaubt. Nur in Bayern ist es bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 100/100.000 EW, die bekanntlich in den meisten Landkreisen seit langem nicht unterschritten wurde, verboten.

Ich halte dies für Unrecht. Meine Konversation mit dem Bayerischen Gesundheitsministerium könnt ihr im Folgenden nachlesen. Falls es jemanden interessieren sollte…. falls… Ich habe aber das Gefühl, es interessiert sowieso niemanden.

Meine Mail an das Bayerische Gesundheitsministerium:

Auerbach in der Oberpfalz, 23.04.21

Sehr geehrte Damen und Herren

Nach fast fünf monatigem Berufsverbot für Hundetrainer wird es Zeit, dass wir wieder arbeiten dürfen – für uns, denn die Essensvorräte im Keller gehen zu Neige, und für unsere Kunden, mit teilweise sehr problematischen Mensch-Hund Konstellationen, die dringend Unterstützung benötigen. Zahlreiche telefonische Anfragen zeugen davon!

Nun tritt ab Samstag die „Bundesnotbremse“ in Kraft. Auf deren Grundlage ist Außerschulische Bildung erst ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 200/ 100.000 EW untersagt.

Dies wäre eine Chance, geschehenes Unrecht ein wenig wieder gut zu machen und Hundetraining auch in Bayern wieder zu erlauben. In allen anderen Bundesländern ist dies schon lange geschehen.

Unrecht war das Verbot des Hundetrainings aus folgenden Gründen:

1. Massnahmen der Grundrechtseinschränkung müssen dazu dienen, Infektionen mit SARS-CoV-2 zu verhindern. Da eine Übertragung unter den praktizierten Hygieneregeln (Einzeltraining, kontaktlos, draußen, FFP2 Maske UND 2 Meter Mindestabstand) aber unmöglich ist, ist dass Verbot des Hundetrainings unter diesen Bedingungen unrechtmäßig. Auch das Argument der An- und Abreise ist nichtig, da diese entweder mit dem eigenen PKW oder zu Fuss erfolgt. (Als Intensivmedizinerin traue ich mir zu, dies zu beurteilen.)

2. Hundetraining wurde bisher nicht als Lehrtätigkeit sondern als Tierdressur gewertet. Nur darin ist das Verbot einer freiberuflichen Tätigkeit zugunsten einer gewerblichen begründet. Als Schlussfolgerung handelt es sich beim Hundetraining um eine Dienstleistung (nicht körpernah).

3. Würde man Hundetraining dennoch als außerschulisches Bildungsangebot werten, ergäben sich zwei Konsequenzen:

a) Nach dem Prinzip der Gleichbehandlung müsste es ebenso wie Fahrschulunterricht erlaubt werden, zumal beim Hundetraining im Gegensatz zu Letzterem kein Infektionsrisiko besteht.

b) In jedem Fall können Hundetrainer ab jetzt auch freiberuflich tätig werden, da Erwachsenenbildung eine Lehrtätigkeit ist.

4. Im Einzeltraining mit nur einem Kunden wird sogar die im privaten Bereich erlaubte Personengruppengröße unterschritten, obwohl zusätzlich oben beschriebene Hygieneregeln eingehalten werden.

5. Es ist absurd, dass viele, nicht systemrelevante Betriebe arbeiten dürfen, in denen ein nicht unerhebliches Infektionsrisiko besteht, und auf der anderen Seite Hundetraining unter Bedingungen, die ein Infektionsrisiko völlig ausschließen, nicht stattfinden darf.

6. Die Notwendigkeit des Hundetrainings für die moderne Gesellschaft ist unbestritten und wir durch die vielen, während des Lockdowns teils unbedachter angeschaffter Welpen noch offensichtlicher.

7. Ich wäre zusätzlich bereit, mein Hygienekonzept um einen Schnelltest zu erweitern, den ich als Ärztin selbst durchführen und attestieren kann. Ich selber bin bereits geimpft.

Ich gehe davon aus, dass Bayern sich an die Regelung des bundesweiten Infektionsschutzgesetzes hält und ich am Sonntag wieder mit dem Hundetraining in Präsenzform starten kann, sofern die Sieben-Tages-Inzidenz im Landkreis unter 200 / 100.000 EW liegt.

In jedem Fall erwarte ich ihre Stellungnahme.

MfG Annica Quast

Die Antwort des Bayerischen Gesundheitsministeriums:

München, 26.04.21

Sehr geehrte Frau Quast,

wir danken für Ihr Schreiben vom 23.04.2021. Dazu können wir Ihnen Folgendes mitteilen:

Sinn und Zweck der Regelung zu außerschulischen Angeboten ist die Verringerung von Mobilität und Kontakten zur Eindämmung der Pandemie. Außerschulische Angebote sind – anders als der Fahrschulunterricht und körpernahe Dienstleistungen, die hygienisch oder pflegerisch erforderlich sind, nicht unverzichtbar für den täglichen Bedarf.

Bezüglich Hundeschulen gilt grundsätzlich Folgendes:

Bei Hundeschulen handelt es sich um außerschulische Bildungsangebote i. S. v. § 20 Abs. 2 der 12. BayIfSMV, die inzidenzabhängig in Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer 7-Tage-Inzidenz unter 100  in Präsenzform wieder stattfinden können, wenn zwischen allen Beteiligten ein Mindestabstand von 1,5 m gewahrt ist. Es kann bei einer Inzidenz unter 100 also sowohl Gruppen- als auch Einzelunterricht abgehalten werden, bei einer Inzidenz über 100 jedoch nicht.

Es besteht Maskenpflicht, soweit der Mindestabstand nicht zuverlässig eingehalten werden kann, insbesondere in Verkehrs- und Begegnungsbereichen, sowie bei Präsenzveranstaltungen am Platz. Die Betreiberin oder der Betreiber hat ein Schutz- und Hygienekonzept auszuarbeiten und auf Verlangen der zuständigen Kreisverwaltungsbehörde vorzulegen.

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit.

Ihre

Servicestelle im

Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege

Haidenauplatz 1

81667 München

Tel.: +49 (89) 540233-0

Meine Antwort an das Bayerische Gesundheitsministerium:

Auerbach in der Oberpfalz, 27.04.21

Sehr geehrte Damen und Herren

Über ihre Antwort habe ich mich sehr geärgert. Ich benötige ganz bestimmt keine Wiederholung von öffentlich einsehbaren Verordnungen. Nach dem ich nun schon seit Monaten unter einem völlig unrechtmäßigen Berufsverbot durch sie leide, habe ich zumindest eine ernst zu nehmende Stellungnahme zu meinen Argumenten erwartet. Ihre Antwort signalisiert mir, dass mein Anliegen sie nicht interessiert und sie mich möglichst schnell abfertigen wollten.

Nur zu ihrer Informationen: Meine erste Mail an sie, ihre Antwort und diese Mail werde ich an die Presse weiterleiten. Mir reicht es jetzt! Ich verhalte mich seit Februar 2020 beruflich und privat so, dass ich keine Infektion übertragen haben kann. Ich beachte nicht nur die Gesetze, sondern bin weit darüber hinaus überaus vorsichtig und werde es auch weiterhin sein. Aber ich sehe nicht ein, dass mir völlig willkürlich ein Berufsverbot erteilt wird, ohne dass mir jemand erklären kann oder will, wo die Infektionsgefahr liegt!

Es geht ihnen um die Reduktion von Mobilität und Kontakten?

Richtig! Mir auch. Aber nur, wenn dies auch zu einer Reduktion von Infektionen führt.

1. Reduktion der Kontakte:

Nach dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit müssen sie mir, wenn sie mir das Recht der Berufsausübung nehmen wollen, nachweisen, dass das Verbot von Hundetraining unter den von mir beschriebenen Hygieneregeln (Einzeltraining, nur Trainer und ein Kunde, beide FFP2 Maske, 2 Meter Mindestabstand, draußen, kontaktlos) zu Kontakten führt, bei denen eine Übertragung von SARS-CoV-2 denkbar wäre. Das können sie nicht, denn damit würden sie den Angaben des RKI und auch der Wertung der Relevanz von Kontakten der Gesundheitsämter widersprechen.

Eigentlich ist es damit schon völlig überflüssig, aber um die Absurdität noch offensichtlicher zu machen, sei erwähnt, dass ich mich privat mit einem Kunden ohne Maske und Abstand in einem geschlossenen Raum treffen darf.

2. Reduktion der Mobilität:

Die Fahrt zum Hundetraining findet bei mir wie bei den meisten anderen Trainern in einem sehr begrenzten Radius und nahezu ausschließlich mit dem eigenen PKW statt.

Es ist absurd, ausgerechnet diese infektiologisch völlig irrelevante Mobilität reduzieren zu wollen, während man Profisportler um die ganze Welt reisen lässt, Auslandsurlaube möglich sind und auch im Inland Reisen zu privaten Treffen an der Tagesordnung sind.

3. Hundetraining ist nicht wichtig?

Ist es nicht wichtig, zu helfen, dass der Einzug des Babys in den Hundehaushalt gefahrlos gelingt? Ist es nicht wichtig, Hunde zu guten Sozialpartnern zu machen, die Kindern Empathie lehren oder alte Menschen aus der Einsamkeit holen?

Ist es nicht wichtig, Mantrailer auszubilden, die vermisste Personen suchen?

So viele Hundeprofis bereichern unser Leben.

Und die Laufbahn jeden Profis beginnt mit einer gelungen Sozialisierung in der Welpenzeit.

Und die haben sie Generationen von Welpen in den letzten Monaten verwehrt.

Ob es wichtiger ist, dass der 17jährige von nebenan jetzt mit dem Motorrad statt mit dem Fahrrad fährt, als dass ein traumatisierter Hund aus dem Tierschutz wieder in ein glückliches Leben findet? Wertevorstellungen sind verschieden und die Automobilindustrie mächtig.

4. Andere Bundesländer:

In allen anderen Bundesländer ist Hundetraining auch bei einer Inzidenz über 100 erlaubt. Warum wohl? Auch die Bundesnotbremse würde Training zumindest bis zu einer Inzidenz von 200 erlauben. Immerhin ein Anfang! Bayern hat so einiges angepasst – das natürlich nicht.

Ich erwarte Argumente. Nein, eigentlich erwarte ich eine sofortige Änderung der Verordnung,…

…aber wir Hundetrainer sind zu wenige, zu schlecht organisiert, haben keine Lobby, zu wenig Geld für gute Anwälte und große Parteispenden, sind noch viel zu leise und interessieren einfach niemanden… genauso wenig wie diese Mail jemanden interessieren wird…. fürchte ich.

MfG Annica Quast