Sie wird schon merken, dass ihr nichts passiert!

Nicht „sie“ wie Hundedame, nicht wie ihr denkt. Heute geht es nicht um Hunde. Es geht um meine Schwiegermutter und die nervt.

Neulich war sie bei uns zu Besuch. Wir saßen am Kaffeetisch unter der alten Kastanie, als sich eine klitzekleine Spinne von einem Ast auf ihren Kopf abseilte, um von dort über ihr Ohr, ihre Schulter, ihren Arm und schließlich auf ihre Hand zu krabbeln. Dort wurde sie mit einem unbeschreiblichen Kreischen empfangen. Meine Schwiegermutter sprang auf, verschüttete dabei den Kaffee (zum Glück nicht über die klitzekleine Spinne, der gelang die Flucht), warf ihre Kuchengabel durch die Luft (mein Hund freute sich) und floh unter lautem Geschrei ins Haus. Im Wohnzimmer angekommen schien sie sich sicher zu fühlen. Nur mühsam konnten wir sie überreden, sich nach einer Stunde wieder zu uns an den Kaffeetisch zu setzen.

Ich beschloss, dass sich da etwas ändern müsse. So war das Zusammenleben mit ihr einfach viel zu stressig. Und als Hundetrainerin wusste ich natürlich auch sofort, was zu tun war:

Ich würde ihr einfach zeigen, dass da nichts passiert, wenn ich dabei bin!

Nach sorgfältiger Trainingsplanung beschloss ich, meine Schwiegermutter erneut einzuladen. Ich hatte alles vorbereitet und war auf jede Eventualität gefasst. Als meine Schwiegermutter eintraf, führte ich sie selbstbewusst ins Wohnzimmer und wies ihr ihren Platz auf einem Sessel zu. Ich wartete kurz, aber nicht zu lange, schließlich hatte ich ein aufwendiges Training geplant.

Meine Schwiegermutter saß also in ihrem Sessel, als ich die erste Spinne starten ließ. Wie geplant krabbelte diese von der Rückenlehne über ihre Schulter und den Arm auf ihre Hand. Und wieder begann das Geschrei. Außerdem blieb sie nicht auf ihrem Platz. So funktionierte mein Training nicht.

Ich entschloss mich, das Geschrei zu ignorieren und setzte mich sehr aufrecht in meinen Sessel. Es änderte nichts. Sie schrie weiter und lief im Wohnzimmer herum. Ich schrie sie an, sie solle ruhig sein, aber sie beruhigte sich nur langsam.

Zum Glück hatte ich das Training sorgfältig geplant. Für die nächste Runde würde ich sie wohl auf ihrem Sessel fixieren müssen. Es geschah ja nur zu ihrem Besten (bevor jetzt irgendjemand schlecht über mich denkt). Mir gelang es, sie mit einem Strick an den Sessel zu fesseln. Jetzt konnte die zweite Runde beginnen, schließlich würde sie schon irgendwann merken, dass ihr nichts passiert.

Ihr könnt es euch schon denken, ich entließ die zweite Spinne auf die Lehne des Sessels und auch diese krabbelte von dort über ihre …. und schon jetzt begann das Geschrei. „Das wird ja immer schlimmer“, dachte ich. Für die nächste Runde würde ich wohl auf andere Hilfsmittel zurück greifen müssen.

In diesem Moment setzte sich eine Fliege auf die Hand meiner Schwiegermutter. Und sie schrie. Das hatte sie noch nie gemacht. Sie war wohl gerade ein bisschen übersensibel.

Dritte Spinne, drittes Glück dachte ich. Die Spinne krabbelte los, ich zückte die Wasserpistole und drückte ab, meine Schwiegermutter erschrak, dann saß sie weinend im Sessel. Immerhin ein kleiner Trainingserfolg, dachte ich, sie hat nicht geschrieen. Ich beendete die Trainingseinheit, sie rannte aus dem Haus

und kam nie wieder.

Irgendwie bin ich jetzt verunsichert. Ob diese Methode bei Hunden wirklich funktioniert? 😉