Regenfest?

Juchuh! Mit Vollgas rennen unsere Hunde aus dem Haus – und machen eine VOLLBREMSUNG!

Genau in dem Moment, in dem ihre Nase unter dem schützenden Dach hervorschießt und diese vom ersten Regentropfen getroffen wird, stoppen sie so plötzlich, als wären sie gerade frontal gegen eine Wand gerannt. Kennst du das? Ja, es gibt nicht wenige Hunde, die kein Wasser von oben mögen! Ehrlich gesagt sind es sogar ganz schön viele! Manche mögen auch keine Pfützen.

Züchterische Veränderungen, die zu einer tatsächlichen oder gefühlten, höheren körperlichen Empfindlichkeit geführt haben, können Regenwetter für Hunde natürlich noch unangenehmer werden lassen. Aber auch unsere „abgehärteten“ Hunde aus dem Tierschutz zucken oft schon zurück, wenn der erste Tropfen die Nasenspitze berührt.

Und nun? Dann bleiben wir doch einfach alle im Trockenen und wischen kleine „Unfälle“ einfach weg, oder?

Das wäre für mich niemals eine Option – und für die meisten Hunde zum Glück auch nicht! Die entwickeln dann bemerkenswerte Durchhaltefähigkeiten, aber das ist natürlich nicht sinnvoll und gesund. Auf der anderen Seite wäre es natürlich auch nicht sinnvoll, dass Hunde lernen, dass das Lösen in der Wohnung gewünscht ist.

Aber was mache ich, wenn mein Hund absolut nicht im Regen rausgehen will?

Wie immer sollte ich mir als Mensch, bevor ich irgendeine Aufforderung an meinen Hund richte oder ihm eine Handlung meinerseits ankündige, folgende Fragen stellen: „Muss, kann und will ich meinem Hund dieses Verhalten jetzt abverlangen?“und „Kann und wird mein Hund dieser Aufforderung nachkommen?“ bzw. „Werde ich eine angekündigte Handlung auch durchführen?“

Weniger ist hier mehr. Stelle ich mir immer diese Fragen, bevor ich ein Signalwort verwende, lernt mein Hund im Zusammenleben folgende, grundsätzliche Prinzipien:

  • Ich verlange grundsätzlich nichts Unnötiges, Unmögliches oder Überforderndes von ihm.
  • Ich kündige ihm an, wenn ich etwas mit ihm vorhabe.
  • Ich bringe ihm alle Signalwort sorgsam und ohne Stress bei.
  • Ich begleite ihn auch durch unangenehme Situationen verlässlich.
  • Ich weiß, was ich will, denke, bevor ich rede und meine, was ich sage.
  • Ich bin klar, sicher und freundlich in meinen Worten und meinem Handeln.
  • Ich verstehe ihn und berücksichtige, wo möglich, seine Bedürfnisse.
  • Ich bin jemand, der es immer gut mit ihm meint.
  • Ergo: Hund könnte mit mir mitgehen – auch im Regen! 😉

Hunde mögen Menschen, die klar, sicher und dabei natürlich immer freundlich in ihrem Handeln sind. Die sind dann auch in gruseligen Situationen vertrauenswürdig.

Beantworte ich diese Fragen mit einem klaren „Ja“, kündige ich meinem Hund das Losgehen auch bei Regenwetter mit vollster, innerer Überzeugung (körpersprachlich und mit einem zuvor sorgfältig konditionierten Signalwort) und guter Laune (Stimmung überträgt sich) an und gehe konsequent los – immer! Kommt mein Hund mit, bestätige und belohne ich dieses Verhalten sofort, z.B. durch ein gemeinsames Rennspiel oder indem ich ihm eine tolle Schnüffelstelle zeige – vielleicht aber auch dadurch, dass wir erst einmal wieder gemeinsam zurück ins Trockene gehen.

Oft ist der Start in den Spaziergang am schwierigsten. Es scheint bei Hunden ähnlich zu sein wie bei uns: Wenn man einmal nass ist, ist es nicht mehr so schlimm. Vielleicht hilft dann aber auch die Ablenkung durch interessante Gerüche, den unangenehmen Regen zu vergessen.

Gewöhnt sich mein Hund an den Regen?

Gewöhnung tritt nur dann ein, wenn ein Hund einen Reiz nicht als für sich relevant oder bedrohlich einstuft. Zumindest stärkerer Regen ist für den Hund offensichtlich genauso wie für uns Menschen ein relevanter und im weitesten Sinn bedrohlicher Reiz, so dass keine Gewöhnung eintritt.

Wie wir auch, kann mein Hund aber lernen, Unvermeidliches zu ertragen. Und er kann lernen, mir zu vertrauen, dass ich ihn schon nicht länger durch den Regen zerre als notwendig, weil er gelernt hat, dass ich es einfach immer und grundsätzlich gut mit ihm meine, auch wenn es sich in einem kurzen Moment einmal nicht so für ihn anfühlt. Glaubt mir, Hunde haben eine hohe emotionale Intelligenz.

Kann ich ihm sonst noch irgendwie helfen?

Außerdem kann ich mit einer Art Desensibilisierung oder auch Gegenkonditionierung arbeiten. Im Zweifel hilft hier ein guter Trainer dabei, zumindest bei mäßigem Regen noch gemeinsam Spaß haben zu können.

Natürlich spricht auch nichts gegen einen Regenschutz für Vierbeiner. Wenn dein Hund mit einem Mantel mehr Spaß im Regen hat, dann zieh ihm einen an! Du brichst dir keinen Zacken aus der Krone und dummen Kommentaren begenest du, wie du es von deinem Hund gelernt hast, einfach mit einem abschätzenden Blick und souveränem Schweigen.

Besonders Welpen, kleine Hunde und Hunde, die durch züchterische Eingriffe nur noch über sehr dünnes Fell und wenig Unterwolle verfügen, können sehr von Mänteln profitieren. Alte oder kranke Hunde haben eher ein erhöhtes Wärmebedürfnis und erzeugen weniger Wärme durch Muskelaktivität. Bei Wirbelsäulen- oder Gelenkerkrankungen kann Wärme schmerzlindernd und muskelentspannend wirken.

Wird mein Hund krank, wenn er richtig durchnässt noch länger draußen herum läuft?

Solange sich Hunde bewegen, entsteht Körperwärme als Abfallprodukt der Muskelaktivität. Nach dem Heimkommen kann man einen völlig durchnässten Hund gerne trocken rubbeln, föhnen oder ihm einen Platz vor dem Ofen anbieten. Rücksicht nehmen sollte man natürlich immer bei Welpen, kleinen, alten oder kranken Hunden, z.B. auch bei Gelenkerkrankungen, die bei Kälte und Feuchtigkeit oft schmerzhafter sind.

Aber unser deutsches Herbst- und Winterwetter wird normalerweise keinen Hund krank werden lassen. Im Gegenteil – viele Hunde fühlen sich in dieser Jahreszeit bei Wanderungen besonders wohl!