Sturheit oder Strafe?

Denkst du, dass du einen „sturen“ Hund hast?

Vielleicht sogar eine Rasse, die sowieso als stur und schwierig erziehbar gilt?

Stopp! Fange erst einmal bei dir an!

„Man bekommt immer das, was man belohnt.“ hat einmal ein schlauer Mensch gesagt.

Andersherum gilt diese Weisheit allerdings auch.

  • Dein Hund zeigt ein von dir gewünschtes Verhalten immer seltener?
  • Euer Training macht einfach keine Fortschritte?
  • Du denkst, dass du einen sturen Hund hast?

In solchen Fällen lohnt es sich, darüber nachzudenken, ob….

  • du das Verhalten deines Hundes vielleicht versehentlich bestrafst statt belohnst,
  • er deine „Belohnung“ maximal als etwas Erträgliches einzuordnen gelernt hat oder
  • du das Verhalten deines Hundes zwar belohnst, danach aber aus Hundesicht eine Strafe folgt, die die Belohnung überschattet.

Das könnte dir niemals passieren? Drei Beispiele gefällig? Hier sind sie:

Der Rückruf oder „Sch….., dass du da bist!“

  • Herzlich Willkommen? Wie begrüßt du deinen Hund? Bestimmt wirst du niemals mit ihm schimpfen, aber schon eine ihm gegenüber frontal ausgerichtete und angespannte, womöglich noch vornüber gebeugte Körperhaltung heißt auf hündisch alles andere, als „Herzlich Willkommen“.
  • Nun ist er da. Und jetzt? Leinst du deinen Hund an? Beendest du sein Spiel? Hältst du ihn vom Jagen ab? Endet der Spaß im Garten? All das ist aus Sicht deines Hundes eine Strafe für sein Kommen, die sicherlich nicht dadurch ausgeglichen wird, dass du ihn lobst oder ihm ein Leckerli gibst. Hier ist schon ein wenig mehr Einsatz und Kreativität gefragt, um deinen Hund mit etwas zu belohnen, das seinem eigentlichen Bedürfnis in diesem Moment möglichst nahe kommt. Diese Belohnung sollte mindestens 30 Sekunden andauern, damit dein Hund die begleitende „Strafe“ möglichst wenig wahrnimmt.

Wenn dein Hund auf deinen Rückruf hin immer seltener oder zögerlicher kommt, denke einmal darüber nach, ob du ihn immer mal wieder versehentlich für sein Kommen bestrafst!

Das Lob oder „Suuuuuuper gemacht!“

  • Hast du schon einmal darauf geachtet, wie dein Hund reagiert, wenn du ihn mit deiner Stimme lobst? Ein barsches „fein“ wird dein Hund nicht anders empfinden, als ein ebenso ausgesprochenes „nein“. Eine freundliche Stimmlage in Kombination mit einem Lächeln und einem konditionierten Lobwort gibt deinem Hund dagegen ein positives Feedback und wird als Belohnung empfunden.
  • Auch dein restlicher Körper spricht und nicht immer ist das, was Menschen als eine freundliche Geste einordnen, auch für den Hund etwas Nettes. Alle Annäherungen von vorne und oben, alles, was einengt, ist für einen Hund erst einmal eine Bedrohung. Viele Hunde lernen im Umgang mit uns Menschen, dass wir diese Gesten in der Regel nicht böse meinen, aber als Belohnung empfinden sie sie deswegen noch lange nicht.

Dein Hund weicht dir aus oder dreht den Kopf weg, wenn du ihn lobst? Beobachte einmal genau, was dein Hund als angenehm empfindet und ob er Berührungen in Trainingssituationen überhaupt mag! Es ist doch schade, wenn du deinen Hund belohnen möchtest, und ihn stattdessen versehentlich bestrafst.

Die Hundebegegnung oder „Stress für Click“

  • „Click für Blick“ ist ein tolle Methode, um Hundebegegnungen zu trainieren. Durch den „Click“ wird dem Hund gesagt, dass der ruhige Blick zum anderen Hund toll ist und belohnt wird. Manchmal kommen Mensch-Hund Teams mit diesem Training jedoch gar nicht weiter und dafür gibt es oft einen ganz einfachen Grund: Bei diesen Teams folgt nach dem Click erst eine kleine Belohnung und dann eine riesige Strafe:
  • Stell dir einmal vor, du wärest ein Hund, der Angst vor anderen Hunden hat! Wenn nun dein ruhiger Blick zum anderen Hund zuerst mit einem Leckerli belohnt würde, du dann aber gezwungen würdest, die Distanz zu dem gefürchteten Gegenüber weiter zu verringern, weil dich dein Mensch an der Leine weiter dorthin zieht, was würde überwiegen? Würdest du dich eher belohnt oder bestraft fühlen?

Erkennst du das Prinzip? Was für deinen Hund eine Belohnung oder eine Strafe ist, hängt immer von seinen Bedürfnissen ab. Du solltest also eine Idee von den Bedürfnissen eines Hundes, deines Hundes im Speziellen und deines Hundes in einer bestimmten Situation haben. Dafür ist es unerlässlich, die Sprache deines Hundes zu verstehen.

Belohnst du schon oder bestrafst du noch?

Uns allen passiert es im Alltag sicherlich immer wieder, dass wir versehentlich erwünschtes Verhalten unserer Hunde aus Hundesicht bestrafen. Spätestens wenn wir im Training nicht weiter kommen oder gut eingeübte Signale nicht mehr funktionieren, lohnt es sich immer, das eigene Verhalten zu reflektieren und sich über die Bedürfnisse seines Hundes Gedanken zu machen.